Flashback: Shenmue II für Xbox

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Mit reichlich Verspätung trudelte Shenmue II auch auf der XBOX ein. Nachdem Shenmue inzwischen aber wieder in aller Munde ist, ist auch der Zeitpunkt genau richtig um sich das Spiel noch einmal vorzunehmen. Wen die Welt von Shenmue von der ersten Sekunde an fasziniert hat, der kann sicherlich nachvollziehen, dass die englisch lokalisierte Version sehnsüchtig erwartet wurde. Dies sollte besonders auf die Amerikaner zutreffen, denn hier erschien die Dreamcast-Version gar nicht erst, damit das Spiel dort XBOX-exklusiv vertrieben werden kann. In Europa erschien damals zumindest eine japanische Version mit englischen Untertiteln, die natürlich auch fleißig nach Amerika importiert wurde.

Doch mit dem Xbox-Release war der Großteil der Welt endgültig und höchst offiziell mit dem zweiten Teil der Shenmue-Saga versorgt. Das Spielen von Shenmue II auf Dreamcast hat natürlich einen ganz anderen Charme, aber schon von der ersten Sekunde an versinkt man auch auf der Xbox wieder in der Geschichte rund um Ryo Hazuki und seinen Rachefeldzug durch Asien. Shenmue II beginnt im Hafen von Hong Kong, nachdem man im ersten Teil den Hinweis bekommen hat den Mörder seines Vaters dort zu finden. Shenmue selbst bleibt allerdings bis heute Dreamcast-exklusiv. Wer den Serienerstling nicht kennen sollte, dem spendiert Microsoft als Bonus eine spezielle DVD mit dem Titel “Shenmue: The Movie”, die auf jedem handelsüblichen DVD-Player oder der XBOX mit DVD-Kit abgespielt werden kann. Die Bezeichnung “Movie” ist allerdings eine Farce, denn es handelt sich eigentlich schlicht um einen Zusammenschnitt der Videosequenzen und diverser Spielelemente aus dem ersten Teil. Für Spieler, die diesen allerdings nicht gespielt haben, ein unverzichtbares Element, da Shenmue II die Story des ersten Teils ohne Rücksicht auf Verluste fortsetzt. Wer sich diese Zusammenfassung in Spielfilmlänge allerdings nicht antun möchte kann auch auf den sogenannten “Digest Movie” zurückgreifen, der sich auf der Spiele-DVD befindet.

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In Hong Kong angekommen verliert Ryo keine Zeit und macht sich sofort auf die Suche. Wie immer wird er jedoch durch allerlei Nebensächlichkeiten abgelenkt. Ein paar aufdringliche Touristen-Abzocker rücken ihm auf die Pelle, ein Ehepaar möchte ihm ein fidellastiges Lied vorspielen und eine Frau bedankt sich dafür, dass Ryo ihrer Tochter auf dem Schiff die Angst nahm. Doch für seine allgemeine Hilfsbereitschaft wird er jäh bestraft. Als augenscheinlich ein Kind von einer Bande verfolgt und bedroht wird, stellt Ryo seinen Rucksack beseite und will gerade zur Tat schreiten als ein Bandenmitglied den Jungen zurückpfeift und dieser sich den Rucksack greift. Erste Aufgabe ist also selbigen wiederzubeschaffen, denn schließlich befindet sich der Phoenix Mirror darin. Ähnlich wie im Vorgänger beginnt das Spiel sehr ruhig. Auf der Suche nach dem Rucksack verschafft man sich die Informationen durch gezieltes Befragen der Passanten bis man schließlich den entscheidenen Hinweis bekommt und nahtlos in einen sogenannten Quick-Time-Event übergeht. Diese ständig im Spiel auftauchenden perfekt animierten Sequenzen beschränken sich auf das korrekte aber teilweise fordernde Eingeben von Tastenkombinationen. Die Virtua-Fighter-ähnlichen Free Fights kommen in Shenmue II allerdings auch nicht zu kurz.

Hat man die Tasche zurück, fehlt lediglich das Geld. Ein raffinierter Schachzug der Entwickler, denn Shenmue II bietet die Möglichkeit in verschiedenen Teilzeitjobs Geld zu verdienen; und darauf ist man ja nun angewiesen, denn zweimal im Spiel kommt man in die Situation 500 Hong-Kong-Dollar zu benötigen um weiter voran zu kommen. Geld verdient werden kann durch ehrliche harte Arbeit, indem man Kisten durch den Hafen schleppt oder an einer Glücksspielbude aushilft. Wem das zu normal ist, der kann sich auch durch Armdrücken, Straßenkämpfe oder eben oben genanntes Glücksspiel finanziell bereichern.

Hatte man im ersten Shenmue die Möglichkeit jede Nacht zu Hause im japanischen Yokusuka zu verbringen, geht dies im fernen Hong Kong natürlich nicht. Doch das Spiel sorgt automatisch dafür, dass Ihr immer einen Schlafplatz zur Verfügung habt. Jeden Abend um 23 Uhr begiebt sich Ryo automatisch dorthin, wenn Ihr nicht freiwillig schon früher ins Bett fallt.

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Die technische Seite des Spiels ist im Großen und Ganzen tadellos. Nur wenige Punkte gibt es zu kritisieren. So kommt es desöfteren vor, dass Spielcharaktere plötzlich im Bild erscheinen, ohne dass man sie vorher gesehen hat und obwohl man sich in unmittelbarer Nähe von ihnen aufhält. Die Ruckler, die in der Dreamcast-Version noch vereinzelt auftauchten konnten aber so gut wie ausgemerzt werden. Zudem wurde die Grafik ein wenig aufpoliert, große Unterschiede zur Dreamcast-Version existieren aber nicht. Bei einigen Texturen oder Objekten fällt aber auf, dass auf Dreamcast einige Dinge transparent dargestellt wurden, wie bspw. Glasscheiben von Vitrinen. Teilweise wurden diese in der Xbox-Version erstaunlicherweise entfernt. Dies tut der Faszination an der detaillierten Shenmue-Welt allerdings keinen Abbruch, auch wenn auf der XBOX wohl einiges mehr machbar gewesen wäre. Als weiterer XBOX-exklusiver Bonus haben diverse Grafikfilter den Weg ins Spiel gefunden. Durch Tastendruck lasst Ihr das Spiel dadurch bspw. wie einen alten Film aussehen. Zudem wird dem Microsoft-Spieler eine Kamera spendiert, mit der sich dutzende Fotos schießen und auf der Festplatte abspeichern lassen. Nervig und völlig überflüssig ist dafür ein lästiges Kamera-Symbol, das das gesamte Spiel hindurch, wie ein TV-Symbol auf dem Bildschirm eingeblendet wird. Spielt Ihr das Spiel via Abwärtskompatibilität auf der Xbox 360 fehlen die Grafikfilter allerdings wieder. Über ihre Sinnhaftigkeit kann allerdings gestritten werden.

Der Soundtrack, der eigens für das Spiel komponiert wurde, ist zweifelsfrei einer der besten, der je in einem Videospiel verwendet wurde. Er unterstreicht die cineastischen Kamerafahrten und die Inszenierung des gesamten Spiels. Von der englischen Sprachausgabe wird man allerdings nicht so begeistert sein, wenn man zuvor die japanische Version gehört hat. Die Sprachsamples sind oft nicht lippensynchron und klingen auch bei weitem nicht so gut, wie die japanischen Sprecher. Schade, dass man darauf verzichtet hat, alternativ das Original anwählen zu können. Speicherplatz genug hätte die DVD sicherlich geboten. Kennt man die japanische Sprachausgabe allerdings nicht, gehe ich nicht davon aus, dass man große Kritik an der englischen üben würde.

Die Steuerung ist ebenfalls präziser als auf Dreamcast, auch wenn sich Ryo teilweise immer noch etwas hölzern bewegen lässt, beispielsweise dann, wenn man einfach nur will, dass er sich umdreht. Unterm Strich ist Shenmue II bekanntlich ein mehr als würdiger Nachfolger des schon hervorragenden Erstlings. Auch wenn technisch nicht viel Neues geboten wird überzeugt die Präsentation auf ganzer Linie.

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