Dreamcast

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Betriebssystem

  • Dreamcast-Konsolensystem (zum Starten von CDs, Ändern von Einstellungen etc.)
  • SEGA Katana
  • KallistiOS
  • Windows-CE für Dreamcast

CPU

  • 32-Bit-SH-4-RISC-CPU (128-Bit FPU), 200 MHz
  • 360 MIPS / 1.4 GFLOPS
  • zweifach Superscaler-Processing-Einheit
  • 800 MByte/sec Datendurchsatz
  • Hauptspeicher: 16 MB SD-RAM

GPU

  • Grafikchip: NEC PowerVR Series2 (PVR2DC)
  • 100 MHz, 100 Megapixel pro Sekunde
    (jedoch liegt die Rechenleistung im Vergleich mit anderen GPUs bei 250 Megapixel/Sek., da die Dreamcast-GPU die Grafiken anders berechnet)
  • Polygone: 5-7 Mio/Sek. mit Texturen und Effekten
  • Grafikspeicher: 8 MByte
  • Auflösung: 640×480, technisch 1600×1200
  • gleichzeitig darstellbare Farben: 16,7 Millionen (24 Bit / „True Color“)

Soundchip

  • Yamaha AICA-Soundchip, 45 MHz, 64 Stimmen gleichzeitig
  • 64 Kanäle
  • Soundspeicher: 2 MB

Optisches Laufwerk

  • GD-ROM-Laufwerk, Speicherkapazität 1,2 GB, 12X-Geschwindigkeit
    (hergestellt von Yamaha, Samsung)

Die Geschichte von Dreamcast

Spätestens ab 1997 lag SEGA mit dem SEGA Saturn weit abgeschlagen auf dem dritten Platz im Spielkonsolenmarkt (hinter Nintendo 64 und PlayStation). Zu diesem Zeitpunkt begann man bei SEGA mit der Entwicklung eines Nachfolgers. Zunächst arbeiteten zwei konkurrierende Teams gleichzeitig an einer neuen Plattform. Eines der Teams wurde von Tatsuo Yamamoto, einem Entwickler bei IBM, geleitet, das andere Team, SEGAs interne Entwicklungsabteilung, wurde von Hideki Sato geleitet.

Sato und sein Team entschieden sich, für die neue Plattform einen Hitachi SH4-Prozessor und einen VideoLogic PowerVR2-Grafikprozessor zu verwenden. Yamamotos Gruppe entschied sich ebenfalls für einen SH4-Prozessor, allerdings beschloss er, 3dfx-Grafikhardware anstatt des PowerVR2 einzusetzen. Anfangs bevorzugte man bei SEGA den Prototyp von Tatsuo Yamamoto mit dem 3dfx-Grafikchip, entschied sich aber letztendlich für den Entwurf von Hideki Sato. 3dfx, die schon mit dem Auftrag gerechnet hatten, verklagten später SEGA wegen dieses Schritts. Der Rechtsstreit wurde jedoch beigelegt. Für die neue Konsole wurde auch ein eigenes optisches Speichermedium entwickelt, die GD-ROM, sie konnte aber auch handelsübliche CDs lesen.

Zunächst war die Konsole unter verschiedenen Arbeitstiteln bekannt, u. a. „Guppy“, „Katana“, „Dural“ oder „Black Belt“, bis man sich letztlich für Dreamcast entschied. Entwickler hatten später auch die Auswahl zwischen zwei verschiedenen Dreamcast-Betriebssystemen: einem von SEGA selbst entwickelten System, Katana, und einer eigens von Microsoft auf Dreamcast portierten Version von Windows CE, die auch DirectX unterstützte. Das Katana-System wurde meist von Exklusivtiteln verwendet, während Windows CE meist bei Portierungen von PC-Spielen zum Einsatz kam. Die beiden Systeme waren aber nicht, wie oft vermutet, in der Konsole selbst enthalten, sondern auf der GD-ROM des jeweiligen Spiels.

Die Dreamcast wurde schließlich am 27. November 1998 in Japan veröffentlicht, am 9. September 1999 in Nordamerika und am 14. Oktober 1999 in Europa. Besonders in den USA war der Verkaufsstart sehr erfolgreich, dort wurden über 500.000 Grundgeräte binnen der ersten zwei Wochen verkauft. Bekannte Spiele, die von Anfang an verfügbar waren, waren unter anderem Soul Calibur, Sonic Adventure, Hydro Thunder und Power Stone. In den USA wurden bei der Markteinführung sämtliche Verkaufsrekorde gebrochen. Es gab 600.000 Vorbestellungen. Innerhalb der ersten 24 Stunden wurden fast 100 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht und innerhalb weniger Wochen eine Million Konsolen verkauft.

In Japan und den US-amerikanischen Märkten wurde Dreamcast unter einem orangefarbenen Symbol veröffentlicht, welches umgangssprachlich „Swirl“ (Kringel) genannt wurde. Die europäische Version des Dreamcast-Kringels wurde jedoch aufgrund rechtlicher Konflikte blau eingefärbt, denn der deutsche Verlag Tivola hat ein ähnliches orangefarbenes Unternehmenslogo.


Meine persönliche Dreamcast-Geschichte

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Mein 1999er Dreamcast mit OVP, Controller, sowie Shenmue + Shenmue II

Obwohl ich mich schon lange mit Videospielen auseinandergesetzt hatte, konnte mich bisher keine Konsole von Anfang so in den Bann ziehen, wie Dreamcast. Vom Tag an, als ich erstmals von der Konsole erfuhr (aus einem Special in der Zeitschrift MEGA FUN) verfolgte ich die gesamte Entwicklung der Konsole, las begeistert Previews zu Spielen, beeumelte mich über Bilder von Designstudien und Prototypen und war festentschlossen das erste Mal in meinem Leben eine Sega-Konsole zu kaufen. Segas Saturn-Flop war mir vollkommen egal, denn den hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht besessen und spätestens beim ersten Artikel über ein ambitioniertes Projekt namens „Shenmue“ kam ich dann an Dreamcast sowieso nicht mehr vorbei.

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Als endlich die Vorbestellungen für den PAL-Release entgegen genommen wurden, verfügte der Laden natürlich bereits über Import-Konsolen. Unbezahlbar für mich, denn wenn ich mich recht erinnere kostete zumindest Anfang 1999 eine nackte Import-Dreamcast 1000 Mark und mehr. Doch bis zum 9. September 1999 hatte ich ja Zeit zumindest ausreichend Geld für ein PAL-Gerät zusammen zu raffen. Eiserne Sparsamkeit, Zeitung austragen und ein taktisch ideal gelegener Geburtstag ermöglichten es mir für Dreamcast zu sparen. Und als Sega dann relativ kurzfristig den Europa-Release auf den 14. Oktober verschob, wurde mir sogar noch etwas Aufschub gewährt.

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Donnerstag, den 14. Oktober 1999, wachte ich morgens in München auf. Rückreisetag unserer Klassenfahrt. Am Bahnhof in München ergatterte ich eine Ausgabe der Zeitschrift „Dreamcast Kult“, die ab sofort zweimonatlich erscheinen sollte und später sogar das vom Future Verlag eingestellte deutsche „Offizielle Dreamcast-Magazin“ ablöste – und dann auch monatlich erschien. Da kam einem die Zugfahrt gleich gar nicht mehr so lang vor.

Ich hatte meine Eltern beauftragt mir die vorbestellte Konsole im Laufe des Tages abzuholen, denn ich hatte aufgrund der Ankunftszeit mit der Bahn keine Gelegenheit dazu. Dann der Schock! Statt des immer angekündigten RGB-Kabels lag eine miese Antennenweiche in der Packung. Pfui, Sega. Sendersuchlauf. Kein Stereosound über die Anlage. First World Problems, aber was für welche!

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Alles was nun kam, war in meinen Augen ein reiner Selbstgänger. Die breite Masse wurde mit Dreamcast nicht warm, für mich waren es allerdings die prägendsten Videospieljahre meines Lebens. Aber nicht nur im Videospielbereich an sich, wird mir Dreamcast immer in guter Erinnerung bleiben. Wir hatten bis dato kein Internet zu Hause, meine ersten Onlinegehversuche verdanke ich Dreamcast und der minutengenauen Abrechnung von Viag Interkom. Auch meine erste eigene E-Mail-Adresse hatte ich auf Dreamcast. Unter dexterslabor@de.dreamcast.com erreicht man heute allerdings niemanden mehr. Das erste Onlineduell in einem Videospiel hatte ich mit „Chuchu Rocket“, welches es für alle in der DreamArena registrierten Dreamcast-Nutzer umsonst gab, gegen einen Franzosen und die meisten Videospielstunden meines Lebens verbrachte ich in dieser Zeit mit Soulcalibur, Crazy Taxi und später Shenmue.

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Ich denke die Underdog-Zeit von Dreamcast zu erleben und dazuzugehören, hat fortan auch mein Gamer-Dasein an sich verändert. Hatte ich Sega vorher mit Super Nintendo und PlayStation immer gekonnt umschifft, war ich nun mittendrin, kaufte mir später Saturn, Mega Drive & Co nach und erlebte all die Softwareperlen, die ich vorher verpasst hatte zum ersten Mal. Wie eine gute Band, die man viel zu spät entdeckt und sich erst viel später die früheren Alben kauft. Durch diese wertvolle Erfahrung ist es für mich eigentlich völlig ausgeschlossen Fanboy einer anderen Konsole zu werden.

Mein Fanboytum war nur einmal auf dem Markt – und das hat sich Dreamcast gekrallt. Up to 3 billion heartbeats.


15 Jahre Dreamcast – ein Flashback für Konsolentreff.de

Zum 15-jährigen (Europa-)Jubiläum von Segas Dreamcast habe ich seinerzeit ein Flashbackvideo für das Konsolentreff-Forum zusammengeschnitten. Auch wenn dies nicht explizit für Shenmue.de von mir erstellt wurde, so möchte ich es Euch trotzdem nicht vorenthalten. Neben ein paar persönliche Anekdoten (ergänzend zum obigen Text) verschafft das Video einen Eindruck über die einzigartige Softwarepalette der, meiner Meinung nach besten und völlig unterschätzten Konsole aller Zeiten. Enjoy!


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